C-Wurf
Wir vom Kiekeberg

Ein guter Mann und ein  guter Hund, die sich voll verstehen, sind auf jeder Fährte, ja beim Jagen im  Holz überhaupt, schon eine kleine, sich gegenseitig ergänzende, helfende und  beratende Meute. Der Mensch ist zweifellos der hierbei ungleich mangelhaftere  Meutegenosse, da er weder mit einigermaßen brauchbarer Nase noch mit genügend  raschen und ausdauernden Beinen oder gar mit scharfen Zähnen sich nützlich  machen kann.

Der dümmste junge  Hund, dem jede wirkliche Erfahrung noch fehlt, der nur von klein auf am Riemen  mitging und höchstens mal einen Hasen jagen durfte, ist da auf der Fährte meist  schon viel gescheiter als der älteste Jäger, sofern er eben aus der richtigen  Leistungszucht wirklicher Waldjäger stammt und die nötigen Anlagen von der  Mutter her mitbringt. Dazu gehört auch bedingungslos das für den reinen  Feldjäger und Feldhund überflüssige akustische Signal des spur- und  fährtenlauten Jagens: im Feld genügt das optische  Signal des Anziehens und Vorstehens. Amadeus vom Kiekeberg

Die Hunde werden wohl  schon von jeher sehr wenig Hochachtung vor der Menschheit im allgemeinen und den  Jägern im besonderen haben. Denn was nützt schon dieses unvollkommene Zweibein  beim Jagen, gar noch beim Jagen im Holz? Wittern kann es nicht, laufen auch  nicht beißen erst recht nicht. Hie und da macht es sich vielleicht noch mit  seinem albernen Schießeisen nützlich, selten mal mit dem kalten Eisen, und  dabei verdirbt es einem noch meist das schönste Vergnügen. Na! Wenn sich der  Kerl wenigstens sonst anständig benimmt und nicht überall, wo er nichts  versteht, noch dumm dreinredet oder gar flegelhaft wird, dann kann man ihn ja  zum Jagen noch mitnehmen.

Aber wenn er sich  einbildet, auch dort die erste Violine spielen zu wollen, wo er keinen leisen  Tau hat, und einen noch lackelhaft misshandelt, einen grundsätzlich im Stich  lässt, wo man ihn wirklich mal nötig brauchen könnte, da man sich schon aufs  Blut abgeschunden hat und allein nimmer fertig werden kann, dann streikt man  lieber restlos. Oder aber, so man das  richtige Jagdbeindel hat, jagert man besser allein und für sich, überlässt  diesen überflüssigen wie ekelhaften Zeitgenossen sich selbst, lässt ihn tuten  und blasen und irgendwo im Wald und Berg hilflos stehen, bis es ihm zu  langweilig wird und er heimgeht. Dann kann man erst recht nach Herzenslust  jagern und braucht keine Schelte zu befürchten, wenn man ihm gefundenes Wild  bringt, zeigt, verbellt, so gut und schlecht man es gelernt hat. Er ist eben ein  Prolet!

 

    Rudolf Frieß aus “Der mangelhafte  Meutegenosse” Jagd- und Kulturverlag*

    *mit freundlicher Genehmigung